Ernst Dossmann

Ernst DossmannDie nach seinen Entwürfen und unter seiner Bauleitung errichteten Gebäude stehen in 10 verschiedenen Bundesländern. Der 1926 in Iserlohn geborene Dipl.-Ing. war von 1953 bis 2001 als freischaffender Architekt und Stadtplaner tätig.
Er wurde mehrfach für sein ehrenamtliches Wirken als Bauexperte, Denkmalpfleger und Heimatforscher (u.a. durch zwei Bundespräsidenten und den nordrheinwest-fälischen Ministerpräsidenten) ausgezeichnet. Einige seiner Bauten wurden schon zu seinen Lebzeiten unter Denkmalschutz gestellt.

Nach Erscheinen von drei erfolgreichen heimatgeschichtlichen Sachbüchern wurde ihm 1989 vom Autorenkreis Ruhr-Mark die Mitgliedschaft angetragen. Seitdem wirkt Ernst Dossmann in unserer literarisch orientierten Gemeinschaft aktiv mit. Von ihm erschienen neben ungezählten Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften 26 Bücher, meist mit historischen, technischen, gesellschaftskritischen Themen in Lyrik und Prosa, darunter:

 
  • 50 Jahre fest im Sattel, Historischer Roman, 2009
  • Mit Ernst Dossmann unterwegs, Gereimtes und Ungereimtes, 2013
  • Erträumt, Erdacht, Erlebt, 2016
 

Meine westfälischen Wurzeln

Wohl jeder Pflanze unsrer Erde
schenkt, dass sie trefflich wachsen werde,
die Wurzel jenen Lebenssaft,
der ihr gibt lebenslänglich Kraft.
Gleich, ob das Pflänzlein winzig klein
oder ein Baum möcht‘ künftig sein,
die Wurzel nährt’s und lässt’s gedeih’n
bei Wärme, Regen, Sonnenschein.
Dann zählt die prächt’ge Blüte nur,
doch ihre Wurzel nicht die Spur.

Das Wurzelwerk von jedem Baum –
das glaubt ein blut’ger Laie kaum,
selbst wenn er oft im Walde Gast –
ist seinem Wuchs stets angepasst;
Die Lasten unterschiedlich sind
mal nasses Blattwerk, Schnee, auch Wind,
die Bäumen aufgebürdet oft
im tiefen Winter unverhofft.
Ihr Ausseh‘n haben Bäume nur
von Kapriolen der Natur.

Bedeutsam bleibt es allemal,
ob tief die Wurzel wie ein Pfahl
im Erdreich, wo’s beständig feucht,
oder dass Erd‘ sie deckt zu seicht.
Ihr Wurzelfeld wär‘ dann zu klein.
Es müsste weitgespannter sein!
Flachwurzler fallen leichter um,
Pfahlwurzeln nehmen’s wen‘ger krumm,
wenn Sturmwind alle Zweige schüttelt
und arg am Stamm des Baumes rüttelt.

Oft mein‘ ich, selbst ein Baum zu sein.
Ich schätze mich als stämmig ein,
bin fest verwurzelt in Westfalen,
als Eiche könnte man mich malen. –
Denk ich an die Vergangenheit,
war ich für manches Tier bereit,
zu schützen es zu jeder Zeit,
sogar wenn ich im Winterkleid
bei starken Winden, Kälte, Schnee
schützt‘ Tiere ich vor argem Weh.

Es gibt wohl viele, die mich kennen,
mein Arbeitsfeld die Heimat nennen,
die mich wie einen Baum bewerten.
Doch wird die Anzahl der Gefährten
mit jedem Tag ein wenig kleiner.
Dies aufzuhalten, schafft nicht einer!
Mir blieb ein Rest der früh’ren Kraft,
den kein Orkan hinweg gerafft.
Wenn lebend und beherzt ich bin,
hat‘s sicherlich so seinen Sinn:

Ich leb‘ im Lande, das ich liebe
und dem ich ewig dankbar bliebe,
hätt‘ ich die Kraft, die mir gegeben,
noch für ein weit’res Erdenleben.
Doch meine Wurzeln tausch‘ ich nicht.
Identität bleibt, ist mir Pflicht!
Schon weiß ich, dass mein Ende naht,
versperrt scheint mir mein Wanderpfad.
Kein Baum wird ewig bleiben steh’n.
So hab‘ in Kürze ich zu geh’n. –

Mein Herrgott wird den Weg begleiten,
den ich zu geh‘n bereit beizeiten.
Auf ihn schau stets ich voll Vertrau’n,
denn auf wen sollt‘ ich sonst wohl bau‘n?
Er trug mich durch bewegte Zeit
und war zu trösten mich bereit
in vielen meiner schweren Stunden.
So lässt gewiss er auch gesunden
die mich zu lieben war’n bereit,
nach mir bis in die Ewigkeit.

Ernst Dossmann
Iserlohn, am 20. Januar 2019