Da blüht der Farn

Sonett von Liza Wandermaler


Dir scheint, die Wahrheit sei ein dünnes Garn,
Das reißen könnte, wenn man zu fest zöge.
Da füllen sich von selbst die Wassertröge,
Da schlüpfen Falter und da blüht der Farn.

In trüben Spiegeln tarnt sich diese Welt:
Gleich Glühwürmchen im Einmachglas gefangen.
Und um in diese Träume zu gelangen,
Musst du den Faden fassen, der sie hält.

Da kannst du durch die namenlosen Weiten
Auf allen sechzehn transparenten Winden
Gleich einer Daunenfeder wirbelnd reiten.

Das alles kann mit deinem Geist verquellen.
Du musst nur den verfluchten Faden finden
Und dich auf einen mürben Hocker stellen.


© Liza Wandermaler
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